Kastanien für Wäsche und Haare – und Achtsamkeit

Seit ich zurückdenken kann, bin ich ein absolutes Herbstkind. Wenn der Herbst endet, beginne ich schon wieder damit, die Tage bis zum nächsten Herbst zu zählen. Ich liebe die Farben, das Laub, die Kürbisse, das Wetter, einfach alles daran. Für viele gehört zum Herbst auch das Kastanien sammeln. Als Kind schon habe ich die kleinen runden Dinger gerne aufgesammelt und in den Jackentaschen mit mir herum getragen oder etwas damit gebastelt. In den letzten Jahren sammelte ich jeden Herbst zumeist nur ein paar von ihnen auf und dekorierte damit meine Wohnung oder gab sie den Katzen als Spielzeug. Vor einiger Zeit stieß ich dann darauf, dass man mit Kastanien auch Wäsche und sogar Haare waschen kann. Rosskastanien (nicht die Esskastanien, mit denen funktioniert das nicht) enthalten genau wie auch indische Waschnüsse, die sogenannten Saponine, welche beim Kontakt mit Wasser schäumen und sanft reinigen.

Vor mehreren Jahren kaufte ich eine große Packung indischer Waschnüsse, von denen ich auch heute noch welche übrig habe. Das Wäschewaschen damit überzeugte mich mittelmäßig, aber auch aus ökologischen Gründen würde ich die Waschnüsse wohl heute nicht mehr kaufen. Sie sind zwar an sich natürlich sehr umweltfreundlich, müssen aber aufwändig aus Indien hierher importiert werden und für die Menschen dort steigen die Preise für Waschnüsse teils so stark an, dass sie sich diese nicht mehr leisten können. Und warum auch Geld für ein importiertes Produkt ausgeben, wenn eine wunderbare Alternative hier bei uns direkt vor der Haustür jedes Jahr massenweise von den Bäumen fällt? Das die Kastanien eine sehr nachhaltige, umwelt- und hautfreundliche sowie müllfreie Alternative zu herkömmlichem, chemisch hergestellten Waschpulver sind, ist ja sowieso klar.

So hatte ich mir das Kastanien sammeln für dieses Jahr also schon Monate vorher vorgemerkt und freute mich total, als es dann endlich los ging. Inzwischen habe ich mehrere Plätze gefunden, an denen man gut sammeln kann. Die letzten zwei Wochen hatte ich Urlaub, war viel mit dem Fahrrad draußen unterwegs und habe dabei immer wieder hier und da gesammelt.
Da ich gerne versuchen möchte, das ganze Jahr über mit Kastanien meine Wäsche zu waschen, brauche ich natürlich einen großen Vorrat. Über den Daumen gepeilt habe ich nun etwa 850 Kastanien gesammelt, was für einen 2-Personen Haushalt, bei ca. 2 bis 3 Ladungen Wäsche pro Woche reichen sollte, wenn ich pro Waschgang etwa 6 Kastanien verarbeite. Ich bin mal gespannt, ob diese Rechnung aufgeht und wie lange wir mit dem Vorrat auskommen.

Wichtig ist dabei natürlich, die Kastanien ordentlich trocknen zu lassen. Ich lasse sie ca 2-3 Wochen in stapelbaren Kisten mit Schlitzen trocknen, wodurch die Kastanien von allen Seiten Luft bekommen und auch nicht aufeinander liegen. Wenn man sie zu früh alle aufeinander in einen Beutel oder ähnliches packt, könnte es passieren, dass sie schimmeln. Auch sollte man nur unbeschädigte Kastanien trocknen, damit nichts vergammelt. Die mit den Rissen kann man aber natürlich trotzdem aufsammeln, nur sollte man sie dann besser so schnell wie möglich verwenden.

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Wie man Kastanien jetzt genau für die Wäsche anwendet? Ich habe mir im Internet dazu diverse Methoden durchgelesen, manche finde ich deutlich aufwändiger als andere. Ich habe für mich eine Methode gefunden, die sehr schnell geht und bei der ich vor jedem Waschgang das Waschmittel in max. 2 Minuten selbst herstelle. Man braucht dafür allerdings einen recht guten Mixer.
Ich nehme 6 Kastanien und gebe sie zusammen mit einem guten halben Liter Wasser in meinen Mixer und püriere das Ganze zu einer Kastanienmilch. Diese filtere ich anschließend durch ein sehr feinmaschiges Sieb in ein Gefäß und füge noch einige Tropfen ätherisches Öl dazu – im Moment nehme ich sehr gerne Lavendel, man kann natürlich nehmen was man mag oder es auch ganz weglassen. Die Kastanienmilch kommt dann einfach in das Waschmittelfach der Waschmaschine und es kann wie gewohnt gewaschen werden. Mit dem Ergebnis bin ich bisher sehr zufrieden, ich finde es sogar deutlich besser als damals mit den Waschnüssen. Ich denke durch das Pürieren holt man besonders viele Saponine aus der Kastanie heraus. Die Wäsche wird sauber und riecht neutral bzw. leicht nach Lavendel.

[Wenn kein Mixer vorhanden ist, kann man die Kastanien wohl auch einfach grob zerkleinern und mehrere Stunden im Wasser ziehen lassen und diesen Sud dann zum Waschen verwenden. Eine weitere Alternative wird beispielsweise bei Wastelandrebel vorgestellt – dort werden die Kastanien zerschreddert und dann getrocknet und das entstehende Pulver kann gelagert und mit Wasser angemischt werden. Ich habe allerdings den Eindruck, dass man durch das Pürieren noch mehr Saponine aus den Kastanien lösen kann und das Waschmittel dadurch wirksamer wird. Für mich ist die Kastanienmilch daher die Methode der Wahl. Zudem kann ich ganze Kastanien einfacher lagern und muss dafür keine Gläser organisieren.]

Als zusätzlichen Bonus kann man die Kastanienmilch auch prima als sanftes Shampoo für die Haare verwenden, da würde ich persönlich allerdings das ätherische Öl stark reduzieren, oder sogar ganz weglassen. Dafür dicke ich sie gerne ein wenig an, z.B. mit Guakernmehl, dann lässt sie sich leichter in die Haare einarbeiten.

Kastanien sammeln und Achtsamkeit
Meine Wäsche mit Kastanien zu waschen ist für mich nicht nur aus ökologischer Sicht eine schöne Sache. Auch im Bezug auf Minimalismus und Achtsamkeit macht es für mich Sinn. Warum soll ich etwas für Geld konsumieren, wenn ich etwas quasi gleichwertiges von der Erde geschenkt bekomme? Kaum jemand von uns kann komplett aus dem kapitalistischen Hamsterrad aussteigen, aber schon so kleine Umstellungen können etwas bewirken. Die Kastanien aufzusammeln hat mir außerdem sehr viel Spaß gemacht und daran kann ich mich als kleine Achtsamkeitsübung jedes Mal, wenn ich im kommenden Jahr Wäsche waschen möchte und das Waschmittel herstelle, zurückerinnern. Ich denke an die Spaziergänge, das Suchen und Sammeln, die kurzen Pausen direkt im Laub unter dem Baum während die Sonne durch die Blätter schien. Die Herstellung des Waschmittels und das Waschen an sich wird damit zu einem kleinen Ritual, bei dem ich mich auf schöne Erlebnisse und Dankbarkeit für die Geschenke der Natur besinnen kann. Wäsche waschen ist für die meisten wohl eher eine wenig geliebte Aufgabe, die halt gemacht wird, weil sie gemacht werden muss. Durch dieses kleine Ritual verbinde ich mit dieser Tätigkeit so viel positives, dass ich daran sogar Spaß habe und es wirklich gerne mache.

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Ist das vielleicht auch etwas für dich, oder wäre dir das zu aufwändig? Hast du auch kleine Rituale, die eigentlich ganz banale Aufgaben im Alltag zu etwas besonderem machen?

(Natürlich gilt hierbei, dass ich einfach nur als Erfahrungsbericht mit euch teile, wie ich persönlich meine Wäsche wasche. Ich übernehme selbstverständlich keine Garantie dafür, dass das bei euch genau so gut klappt und dass eure Waschmaschine das Zeug mag.)

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5 Antworten
  1. Inga
    Inga says:

    Du hast mich heute zum Sammeln inspiriert! Ich habe etwa 4,5 Kilo und hoffe ich finde noch ein paar mehr.
    Lässt du die Schale beim pürieren eigentlich dran oder schälst du sie vorher?

    Antworten
    • Romy
      Romy says:

      Wow! Das ist ja schon mal eine super Ausbeute. Ich wünsche dir viel Spaß damit. Die Schale lasse ich persönlich dran, das Schälen wäre mir zu aufwändig. Ich habe mal gelesen, für weiße Wäsche wäre das besser, aber wir haben ziemlich wenig weiße Sachen. Ich spare mir das also.

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  2. Tine
    Tine says:

    Konnte hier im Umfeld leider nicht mehr allzu viele Kastanien ergattern, aber würde es gern mal mit der Haarwäsche probieren. Nimmst du dafür dieselbe Rezeptur wie für das Waschmittel? Und kann man die Kastanienmilch auch mit Roggenmehl anmischen?

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    • Romy
      Romy says:

      Ja, die Kastanienmilch mische ich genau so an. Für die Haare kann es angenehmer sein, sie noch etwas anzudecken, z.B. mit Guakernmehl oder so. Dann kann man die Milch einfacher einmassieren.
      Ob man das mit Roggenmehl anmischen kann, kann ich dir nicht sagen. Das habe ich noch nie versucht. Falls du es probierst, sag mir gerne mal bescheid! 🙂

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      • Tine
        Tine says:

        Also ich habe das Roggenmehl heute Morgen mal mit der Kastanienmilch angemischt und ansonsten meine übliche Haarwaschroutine vollzogen (Roggenmehlwäsche und Apfelessig-Pfefferminztee-Rinse).
        Fazit: Die Haare sind griffiger als wenn ich sie nur mit einem Roggenmehl-Wasser-Gemisch wasche und glänzen etwas mehr. Allerdings sind sie minimal strähniger als sonst. Aber insgesamt kann ich sagen, es funktioniert mit der Kastanienmilch ;D

        Antworten

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