Collect moments not things – Projekt Monatsrückblick

Als ich Anfang des Jahres begann, meine Habseligkeiten auszusortieren, fiel mir auch das eine oder andere Tagebuch aus meiner Jugend in die Hände. Wenn so etwas passiert, muss ich alles andere erst mal für eine Weile liegen lassen und sofort durch das Buch blättern, lesen und in Erinnerungen schwelgen. Tagebücher öffnen Türen in längst vergangene Welten, erinnern mich zum Beispiel an das 13-jährige Mädchen, was ich damals war, an die Dinge, die mich damals beschäftigt haben und wie ich früher die Welt sah.

Ich kann in diesen Büchern auch sehr gut nachlesen, wie ich mich über die Jahre verändert und weiterentwickelt habe. Ich halte Tagebücher für eine wunderschöne Möglichkeit, die Dinge festzuhalten, die gerade wichtig sind, egal ob besonders schön oder besonders traurig. In meinem bisherigen Leben habe ich allerdings nur sporadisch Tagebuch geschrieben. Ich nahm es mir immer wieder vor, füllte immer mal wieder ein kleines Notizbüchlein, manchmal auch nur zur Hälfte  – und gab es dann meist für eine Weile wieder auf. Ich glaube, ich bin kein Typ dafür, jeden Tag Tagebuch zu schreiben. Das kriege ich einfach nicht auf die Kette. Der zeitliche Aspekt ist dabei vermutlich sogar weniger entscheidend als die Motivation. Und zugleich wünschte ich mir, ich würde mehr festhalten, aufschreiben und dokumentieren.

Seitdem ich mich mit Minimalismus befasse, wird mir immer deutlicher, wie wichtig Erinnerungen an besondere Momente sind und wie schön es ist, sie zu haben, wie stark sie einen prägen und zu dem machen, was man ist. Es sind unsere Erlebnisse und Erinnerungen die uns formen, nicht die Gegenstände, an denen diese Erinnerungen eventuell dran hängen. Getreu dem Motto „Collect moments, not things“ möchte ich gerne versuchen, wieder mehr aufzuschreiben und festzuhalten. Dafür probiere ich seit einem Monat einen Monatsrückblick aus, weil ich glaube, dass es für mich besser machbar ist, ein mal im Monat die vergangenen vier Wochen zu reflektieren, als jeden Tag zu schreiben. Ich habe mir dafür ein kleines Notizheft genommen, in das ich für jeden Tag des Monats in Stichpunkten auf 1-2 Zeilen notiere, was ich an dem Tag gemacht habe und/oder was schön oder besonders war. Das kostet mich pro Tag nur wenige Sekunden und ich kann es auch rückblickend für mehrere Tage auf einmal machen und muss nicht jeden Tag etwas aufschreiben. So erinnere ich mich schon beim Notieren bewusst zurück und überlege, was diesen Tag besonders gemacht hat, ob es ein schönes Erlebnis gab, an das ich mich später vielleicht gerne wieder erinnern würde usw. Diese Notizen helfen mir dann am Monatsende einen Überblick über den ganzen Monat aufzuschreiben. Für mich ist dies eine Alternative zum Tagebuch, bei der ich für mich größere Chancen sehe, dass ich es längerfristig beibehalten kann. Ob das tatsächlich klappt, wird sich zeigen – versuchen möchte ich es in jedem Fall. Ich hatte diesen Oktober das Gefühl, dass er nicht so an mir vorbei gerast ist, wie das früher schon mal war. Er kam mir sehr lang vor und das nicht im negativen Sinne, es war alles andere als langweilig. Aber dadurch, dass ich mich so genau an alles zurückerinnern kann, wird mir bewusst, was ich alles getan und erlebt habe und ich habe den Eindruck, meine Zeit so bewusster zu erleben und mehr zu schätzen.

Ich weiß, dass Zukunftsromy sich in vielen Jahren wahrscheinlich sehr über diese Erinnerungsstücke freuen wird. Ich habe mich nur noch nicht entschieden, ob ich das Projekt auf Papier oder digital festhalten soll. Ich schreibe inzwischen deutlich lieber am PC, da ich dabei einfach viel schneller bin. Minimalistischer ist es ebenfalls und Papier spare ich so auch. Die Erinnerungen mit Fotos zu ergänzen wird außerdem leichter. Allerdings können digitale Erinnerungen natürlich auch schneller verloren gehen und von Hand schreiben ist ja eigentlich auch was sehr schönes und wichtiges. Ich bin mir da noch unschlüssig und werde vielleicht einfach beide Varianten testen. Schreibst du Tagebuch? Wie hältst du deine geliebten Erinnerungen fest?

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4 Antworten
  1. Tine
    Tine says:

    Hallo Romy!

    Ein schöner Artikel. Deine Idee mit dem Monatsrücklick finde ich sehr spannend.
    Ich schreibe abends vorm Schlafen auch in Stichpunkten die Geschehnisse des Tages kurz auf, so dass ich am Monatsende eine DIN A5 Seite mit Notizen habe. Das Ganze dann vielleicht nochmal als kompletten Monatsrückblick zusammenzufassen, wäre auch noch eine Möglichkeit 😉
    Aber ich habe auch einige Tagebücher. Allerdings auch nur sehr unregelmäßig geführt. Manchmal finden sich fast tägliche Einträge, dann aber kommt der nächste Eintrag schon Monate oder fast ein Jahr später hinzu. Deshalb hab ich eigentlich immer eins in der Schulblade liegen, falls ich dann doch mal wieder etwas festhalten will. Sei es ein besonders schönes Erlebnis, Gedanken, Sorgen oder irgendetwas anderes, das mich emotional beschäftigt. Von daher finde ich es auch gar nicht zwingend nötig, beharrlich jeden Tag zu dokumentieren, weil an einigen auch einfach kaum etwas erwähnenswertes passiert 😉 Aber wie du schon sagst, es ist eine schöne Möglichkeit, mal seine eigene Entwicklung zu beobachten und in Erinnerungen zu schwelgen.
    Mittlerweile versuche ich auch eine Art „Dankbarkeitstagebuch“ nebenbei zu führen. Daran hapert es allerdings noch etwas^^
    Deine Texte über Minimalismus sind übrigens ziemlich inspirerend – mit einer der Gründe, warum ich deinen Blog sehr gern lese 🙂

    Ich wünsche dir einen schönen und stillen November
    Liebe Grüße
    Tine

    Antworten
    • Romy
      Romy says:

      Vielen Dank für deinen Kommentar und dein Lob, Tine 🙂
      Dankbarkeitstagebücher finde ich auch ganz toll und wichtig. Wie oft bleiben negative Erlebnisse ewig in unseren Gedanken kleben und verschleiern, dass der Rest des Tages eigentlich schön war. Und wie oft nehmen wir die kleinen Momente wahr? Deswegen versuche ich den Aspekt Dankbarkeit bei meinen Notizen für den Monatsrückblick auch immer zu berücksichtigen und jeden Tag etwas dazu zu notieren.
      Liebe Grüße,
      Romy

      Antworten
  2. Cookie
    Cookie says:

    Sehr schöne Überlegungen. Ich bin auch echt dankbar dafür, dass ich „damals“ regelmäßig und gerne Tagebuch geschrieben habe. Das kriege ich aber irgendwie auch nach mehreren Versuchen nicht mehr so hin. Deshalb habe ich mir Anfang des Jahres ein kleines „One Line a Day“-Buch gekauft, in das man am Ende des Tages ein-zwei Sätze zum Tag schreibt. Pro Tag gibt es 5 Absätze – für jedes Jahr einen. Da kann man also 5 Jahre lang schreiben, was an dem Tag los war und sieht auf derselben Seite, was man in den letzten Jahren an diesem Tag getan hat.
    Das halte ich echt gut durch und da man nur begrenzt Platz hat, „dampft“ man die Gedanken und Geschehnisse aufs Wichtigste ein. Mir gefällt das echt gut.

    Da mich aber auch das Digitale reizt, versuche ich immer noch regelmäßig Rückblicke im Blog hinzubekommen, was in der letzten Zeit aber eher schlecht als recht klappt…

    Liebe Grüße!
    Cookie

    Antworten
  3. Julie
    Julie says:

    Eine superschöne Sache ist das 😀 Ich mache das nun schon länger in meinem Blog mit „Wochenweise Glück“ bzw. inzwischen „Loving Sunday“, wo ich wöchentlich aufschreibe, was mir in der jeweiligen Woche am besten gefallen/getan hat. Das tut auch echt gut, sich einfach bewusst an die schönen Dinge zu erinnern.

    Inzwischen habe ich außerdem Bulletjournaling für mich entdeckt, wo ich wirklich jeden Abend zwei, drei Stichpunkte aufschreibe, kleine Glücksmomente oder schöne Augenblicke. Abgesehen davon, dass es wirklich nur ganz kurz ist, merke ich, dass es mir gut tut, abends nicht alles per Handy/Laptop zu machen, sondern gerade vor dem Schlafengehen analog zu bleiben. Und schön ist es außerdem ^_^

    Antworten

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