Minimalistischer Wochenrückblick KW41

Was für eine bunte Woche das doch für mich war. Ich habe meinen neuen Blog (also diesen^^) gestartet und möchte euch an dieser Stelle direkt ganz herzlich für das Feedback danken, sei es hier, auf Instagram oder Twitter. Das freut und motiviert mich ungemein.

Am Montag startete ich nach zwei Wochen Urlaub wieder ins Arbeitsleben, hatte in der Woche aber dank Schichtdienst trotzdem einige Tage frei und konnte so am Donnerstag die SPIEL besuchen und habe dazu im letzten Beitrag schon ein wenig berichtet, wie das für mich, als Möchtegernminimalistin so war.

Freitag waren wir dann noch bei einem schönen Hofladen, dort habe ich auch eingekauft, allerdings nur Lebensmittel – ok, und einen großen Schnitzkürbis und einen Blumenstrauß, also zumindest nichts, was dauerhaft mein Besitz bleibt – das wird alles fleißig aufgebraucht.

Im Moment packt mich nach einer Pause (die große erste Entrümpelung fand Anfang des Jahres statt) auch wieder das Aussortier-Fieber. Diese Woche habe ich dahingehend ziemlich viel geschafft. Am Mittwoch habe ich den halben Nachmittag damit verbracht, meine DVDs und Bücher durchzugehen. Beides habe ich eigentlich bereits mehrfach durchsortiert und die Sammlung ist schon immens geschrumpft. Aber es sind immer noch, auch jetzt nachdem ich erst diese Woche dran war,  Sachen da, von denen ich weiß, dass ich sie irgendwann gehen lassen kann und will. Ich miste immer radikaler aus, aber von jetzt auf gleich fast alles weggeben schaffe ich trotzdem nicht. Da sind viele Bücher, von denen ich weiß, dass ich sie gerne noch lesen und danach aber weggeben würde. Da sind Bücher, die ich so mag, dass ich sie vermutlich nie abgeben mag – und das ist auch okay so. Und dann sind da noch Bücher, die ich eigentlich gar nicht so gerne mag, die mich aber z.B. an einen schönen Tag mit einer lieben Person erinnern und die ich aus diesem Grund noch nicht hergeben kann. Wie ich mit solchen so emotional behafteten Gegenständen umgehen soll, die ich eigentlich gar nicht so toll finde, weiß ich noch nicht. Ich denke, das wird sich aber mit der Zeit finden. Das ganze Minimalisieren ist bei mir ein stetiger Prozess, eine Entwicklung und es gibt kein festgelegtes Ziel.

Am Samstag habe ich mir dann noch ein von mir wenig geliebtes Regal vorgenommen, in dem ich beispielsweise meine ganzen Uni-Unterlagen in Boxen, Schubern usw. verstaue. Wir haben in unserer Wohnung keine Abstellkammer und so ist es manchmal schwer, Sachen geschickt zu „verstecken“, weil sie einfach nicht so hübsch sind, aber man sie auch nicht hergeben kann. Ich habe SO viele Uniunterlagen, von denen ich ganz sicher alle entsorgen werde, wenn ich dann irgendwann mit dem Master durch bin. Fürs erste habe ich etwa die Hälfte entsorgt, die aus der Bachelorzeit stammte. Den Rest bewahre ich noch etwas auf, weil ich das eine oder andere eventuell in der Masterarbeit brauchen könnte. Danach kann es aber weg, denn ich hänge absolut nicht an diesen Papierbergen und würde sie auch jetzt sofort weggeben, wenn ich die Unterlagen als PDFs hätte. Außerdem habe ich noch etliche Jahre alte Rechnungen und ein wenig Krimskrams aussortiert. Das Regal ist immer noch keine Augenweide, da ich dort auch immer Bücher etc. deponiere, die ich gerade versuche zu verkaufen, aber es ist jetzt schon wieder um ca. 1 ½ Regalfächer freier und das ist ja auch schon mal ganz gut. Es wird!

Im Laufe der Woche habe ich nebenbei das Buch „Ich kauf nix!“ von Nunu Kaller gelesen. Ich hatte es in der Bibliothek ausgeliehen und war zuerst etwas skeptisch, als ich merkte, dass die Autorin ihr selbst auferlegtes Kaufverbot nur auf Kleidung beschränkte und empfand die zu Beginn beschriebene „Kaufsucht“ als etwas befremdlich (obwohl ich selber früher auch echt viel gekauft habe). Aber es entwickelte sich in eine für mich sehr gute Richtung, die Autorin wurde mir immer sympathischer und auch wenn der Fokus des Buchs auf dem Konsum von Kleidung liegt, nimmt es im Verlauf auch immer wieder auf andere Bereiche Bezug und so war es für mich insgesamt eine kurzweilig geschriebene und dennoch zum Nachdenken anregende Lektüre.

Heute will ich gleich wieder in die Bibliothek, das Buch zurück bringen und nach zwei anderen Büchern schauen, die sich mit Konsumverhalten befassen. Derzeit lese ich dazu wahnsinnig gerne und freue mich über die tolle Auswahl der Kölner Bibliothek, durch die es für mich gar keinen Grund gibt, diese Bücher zu kaufen.

Ich will versuchen, diese Form des Wochenrückblickes beizubehalten – kurz berichten, was ich so gelesen, aussortiert, vielleicht auch gekauft habe etc. um meine minimalistische Entwicklung für mich selbst ein wenig zu dokumentieren.

Ich wünsche euch einen schönen Start in die neue Woche!

Ein Besuch auf der SPIEL 2016 oder auch „Minimalismus VS Sammelleidenschaft“

Am Donnerstag war ich mit den liebsten Freunden zum vierten Mal in Folge auf der Brettspiel Messe in Essen. Das ist so ein Ereignis, auf das ich mich das ganze Jahr über freue. Es gibt so viel zu sehen, auszuprobieren – und natürlich auch zu kaufen. Die letzten Jahre war mein Konsumverhalten noch ziemlich anders als heute, denn mit Minimalismus beschäftige ich mich erst seit Anfang diesen Jahres. Dazu werde ich ein anderes Mal auch noch mal genauer erzählen.

Früher war mein Kaufverhalten ziemlich ausladend bis leicht wahllos. Meine Mama beschrieb es letztens mit den Worten „Wenn du früher Geld hattest, hast du immer sofort überlegt, wofür du es ausgeben kannst“. Und das kann ich nicht wirklich abstreiten. Das ich am Monatsende mal etwas übrig hatte, was ich hätte sparen können, war extrem selten – ins Minus bin ich aber nie gegangen. Seit diesem Jahr konsumiere ich enorm reduziert und deutlich seltener und lasse zudem auch noch ständig alte Sachen los und sortiere aus.

Auf der SPIEL habe ich die letzten Jahre immer ziemlich gut zugeschlagen. Dort ist man als kleiner Nerd für Brettspiele, Comics, Rollenspiele und alles was so dazu gehört aber auch im absoluten Paradies. Es gibt tolle Sachen wo man nur hinsieht, Sonderangebote, hier und da eigentlich längst vergriffene Schätzchen usw. Deswegen habe ich mich in den letzten Tagen ständig gefragt, wie das für mich dieses Jahr auf der SPIEL wird. Sehe ich die ganze Messe mit anderen Augen? Falle ich in alte Kaufmuster zurück oder kaufe ich gar nichts? Wird es mir ohne Bereitschaft so viel zu kaufen wie der Geldbeutel hergibt überhaupt noch Spaß machen?

Dieses Jahr war es dann so, dass ich etliche Stunden über die Messe gelaufen bin, ohne auch nur eine einzige Sache zu kaufen. Letztes Jahr hatte ich nach 5 Minuten schon knapp 100€ für drei Brettspiele ausgegeben – was sogar ziemlich dämlich war, da die Brettspiele schwer waren und ich sie die nächsten 7 Stunden mitschleppen musste. Dabei hätte ich sie auch am Ende kaufen können, sie waren nämlich in Massen vorhanden. Aber mein Gehirn sagte mir damals „OMG! Die willst du unbedingt haben! Kauf sie SOFORT!“ Und bei diesem Kauf blieb es natürlich nicht. Insgesamt habe ich letztes Jahr 8 Brett- oder Kartenspiele und 2 kleine Rollenspiel Regelwerke gekauft. Und davon spiele ich bis heute nur zwei wirklich gerne, die anderen waren eher überspontane Fehlkäufe bzw. überzeugten mich dann doch nicht so wie erwartet.

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Das wollte ich dieses Jahr auf jeden Fall vermeiden und obwohl ich ein bisschen eingekauft habe, lief das ganz gut. Direkt zum Anfang der Messe entdeckte ich einen Stand von Chaosium, dem amerikanischen Verleger des „Call Of Cthulhu“ Rollenspiels. Dieses Rollenspiel ist mein absoluter Liebling und das Einzige, von dem ich immer noch sage, dass ich es sammle (allerdings habe ich inzwischen absolut kein Bestreben mehr, alles davon zu besitzen, was auch besser ist. Das Rollenspiel gibt es seit über 30 Jahren und sowohl auf deutsch als auch auf englisch sind viele hundert Bücher erschienen). Dort entdeckte ich dann die Kampagnen Box „Horror on the Orient Express“, eine DER Abenteuer Kampagnen für Cthulhu überhaupt – in absolut liebevoll gemachter Neuauflage. Diese Box will ich seit etwa einem Jahr haben. Und noch dazu war sie auf der Messe so günstig, wie ich sie sonst noch nie gesehen hatte. Sonst kostete sie ca. 30-40€ mehr (ja, solche Boxen sind teuer). Ich war absolut versucht, habe die Box aber erst mal liegen lassen und noch viele weitere Stunden einfach nur geschaut und zwei Brettspiele mit den Freunden zusammen angetestet. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass ich auf dieser Messe außer dieser Box heute wahrscheinlich so gut wie nichts kaufen wollen würde. Es gab viele tolle Spiele zu sehen, wahrscheinlich hätte ich an 90% davon Spaß – aber immer mehr habe ich jetzt auch kritisch auf die Spiele geschaut, die mich interessierten und überlegt, ob ich sie denn auch wirklich spielen würde. Immerhin habe ich zu Hause schon eine große Sammlung, in der auch viele Spiele darauf warten, mal wieder (und auch mal mehr als 1x) gespielt zu werden. So viel Zeit habe ich dafür ja eben leider auch nicht. Viele Spiele gleichen sich von ihrem Spielsystem auch sehr und auch wenn mich vieles interessierte, gab es da nichts, was mich so begeistert hätte, dass ich es direkt mitnehmen wollte.

Ich kehrte also nach Stunden zum Chaosium Stand zurück, durfte mir die Box dann sogar ganz genau anschauen, wurde immer begeisterter, bekam gesagt, dass ich beim Kauf sogar auch noch die PDFs dazu bekommen würde (für die zahlt man sonst auch noch mal ganz schön was) – kurzum, ich habe sie dann gekauft. Und ich bin enorm glücklich damit. Für mich heißt Minimalismus auch absolut nicht, nie wieder etwas kaufen, sondern eher, mir meine Wünsche genau anschauen, prüfen, ob sie bleiben oder nur flüchtig sind, ob ich dafür etwas anderes gehen lassen kann, damit ich nicht immer mehr und mehr Dinge habe usw. Diese Box ist für mich etwas ganz besonders, was ich schon seit tatsächlich einem Jahr gerne haben wollte. Pen and Paper Rollenspiele sind zudem sogar noch knapp vor Brettspielen mein allerliebstes Hobby. Ich bin daher sehr glücklich mit der Kaufentscheidung. Und da Rollenspielbücher mit den Jahren erfahrungsgemäßg massiv im Wert steigen, hätte ich auch absolut keine Schwierigkeit, sie irgendwann wieder zu verkaufen, falls sich meine Interessen ändern sollten oder ähnliches. Jetzt freue ich mich auf jeden Fall erst mal wie ein kleines Kind über die Box.

Insgesamt kann ich sagen, dass mir die Messe mit einem minimalistischen Blick auf die Sache genau so viel Spaß gemacht hat wie früher – vielleicht sogar noch mehr. Ich habe mir etwas gekauft, was wirklich ein Herzenswunsch war und sonst habe ich mir einfach Zeit genommen, mir alles genau anzuschauen und zwei Spiele direkt vor Ort am Herstellerstand ausprobiert und in einem Fall sogar mit dem Entwickler plaudern können, wofür ich mir in den letzten Jahren kaum Zeit genommen und mich mehr aufs kaufen fokussiert habe. Insgesamt habe ich dort 110€ für drei ausgewählte Sachen ausgegeben – für die Box, ein weiteres kleines Buch am selben Stand, welches aber deutlich günstiger war und ein Poster, ebenfalls von Cthulhu, welches ich unbedingt aufhängen möchte. Es gab bis auf das 5€ Poster keinen Spontankauf und ich habe in den letzten Jahren vermutlich bei jedem Besuch das 2-3 Fache an Geld dort gelassen und war danach keineswegs zufriedener mit meinen Einkäufen, eher weniger sogar.

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Der Vollständigkeit halber muss ich noch erwähnen, dass ich mir dann zu Hause noch über Kickstarter das Brettspiel von „This War Of Mine“ vorbestellt habe, auch auf dieses freue ich mich schon seit Monaten. Wir hatten es auf der Messe mit dem Entwickler gemeinsam spielen können und es hat mich absolut überzeugt. Es ist aber noch in der Produktionsphase und man konnte es dort daher noch nicht kaufen, sondern nur online vorbestellen. Ich weiß genau, dass ich nichts vergleichbares habe und genau so weiß ich auch schon, welches weniger geliebte Brettspiel ich dafür gehen lassen kann, so dass meine Sammlung dadurch nicht immer weiter wachsen wird.

Die SPIEL wird auch in den kommenden Jahren etwas bleiben, worauf ich mich immer wieder freue und meine minimalistische Entwicklung nimmt mir keineswegs die Freude an der ganzen Sache, sie ändert es für mich sogar in eine positivere Richtung. Ich werde mir meine liebsten Hobbys natürlich nicht wegminimalisieren und dementsprechend hier und da immer wieder neue Spiele oder Bücher kaufen, aber ich merke schon jetzt, wie ich über den Kauf deutlich länger und bewusster nachdenke und mich dann eher für ein paar wenige ausgewählte Sachen entscheide, die dann auch keine Spontan- bzw. Fehlkäufe sind, sondern Dinge, die ich ganz besonders schätze. Und wie ich zeitgleich auch so viele andere Dinge loslasse, weggebe, verkaufe, dass 2 oder 3 neue Sachen dann auch kein Problem für mich sind.

Das so zu meinen wirren Gedanken am Morgen nach der SPIEL. Falls ihr in der Nähe von Essen wohnt – sie geht noch bis Sonntag und ist einen Besuch wert. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!